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So war es im Jüdischen Museum - IMKL Tagebuch

Sonntagnachmittag, der 15. Januar. In der Reihe „Feierabend am Nachmittag – Feste einer Welt“ findet die erste Veranstaltung statt.  Es geht um den „Schabbat“ und seine Bedeutung in der jüdischen Religion. Das Wetter draußen ist ungemütlich und ich fürchte, dass einige von den angemeldeten Teilnehmer*innen es vorziehen werden zuhause zu bleiben. Meine Sorge ist völlig unbegründet. Wissensdurstig, neugierig und gut gelaunt treffen Kinder, Jugendliche, Eltern und Großeltern pünktlich im Glashof des Jüdischen Museums ein. 

 

Glashof? 

Der Innenhof des Jüdischen Museums ist eine gläserne Hofüberdachung vom Architekten Daniel Libeskind. Vier freistehende Stützen aus Stahl tragen das Glasdach. Sie orientieren sich am Modell einer Laubhütte: Wie Bäume ragen sie in den Himmel, das Dach auf ihren Kronen tragend.

 

Am sogenannten Meeting Point werden wir von einer freundlichen jungen Frau erwartet, die sich uns als Museumsguide vorstellt. Sie begrüßt uns mit den Worten "Schabbat Schalom" und sie erklärt uns auch gleich, was das zu bedeuten hat: Jeden Freitag beginnt der jüdische Feiertag "Schabbat". Nach dem jüdischen Kalender ist Schabbat der siebte Tag in der Woche, ein Ruhetag, den man im Kreis von Familie und Freunden verbringt. Am Freitag wird sich mit "Schabbat Schalom" begrüßt. Der Schabbat beginnt mit einem festlich gedeckten Tisch. Auf den Schabbattisch werden zwei "Challot" (Einzahl "Challa") gelegt. Sie sollen daran erinnern, dass während der Wüstenwanderung der Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten freitags jeweils eine doppelte Ration Manna vom Himmel fiel, also bereits auch die für den Schabbattag. Dem Brot im Allgemeinen kommt im Judentum eine zentrale Bedeutung zu. Wer kein Brot besitzt, steht unter dem Fluch Gottes; Brot zu haben, ist also ein Zeichen für Segen Gottes. Nach dem "Halacha", dem Religionsgesetz, ist ein Jude dazu verpflichtet zwei Brote vor allen anderen Dingen zu kaufen. Zum Schabbatessen am Freitagabend werden zwei Challot auf einer Platte oder einem Teller serviert und mit einem Tuch bedeckt. Vor dem Essen wird der "Kiddusch" (die Segnung des Schabbat) gesprochen. Dann wird der Wein gesegnet, dabei sind die Brote zunächst weiterhin zugedeckt. Es folgt nun die rituelle Händewaschung unter fließendem Wasser und die Segnung. Dann wird das Challa aufgedeckt und gesegnet. Der Hausherr schneidet das Brot an und isst davon, anschließend verteilt er das Brot unter den Anwesenden. Nun kann die Mahlzeit beginnen.

 

In der Werkstattküche haben wir selber Challa gebacken und es anschließend gemeinsam verspeist. Es war sehr lecker. 

  

Was wir außerdem noch gesehen haben:

Es gibt im Jüdischen Museum sehr viel zu sehen und in der Zeit, in der wir dort waren konnten wir längst nicht allem die gebührende Aufmerksamkeit widmen. Es ist also durchaus möglich, dass wir das Museum im Rahmen des IMKL Projekts ein zweites Mal besuchen werden. Zum Ende dieses kurzen Berichts soll aber unbedingt noch der Wunschbaum erwähnt werden: Im Mittelpunkt unseres Museumsbesuches stand der Feiertag Schabbat und das Backen von Challa. Zu Beginn aber haben wir dem beeindruckenden Wunschbaum einen Besuch abgestattet: Der künstliche Granatapfelbaum steht für ein wichtiges Symbol in der jüdischen Tradition, die Äste werden zu Trägern von Wünschen. Wir haben unsere Wünsche jeweils auf eine Apfelkarte geschrieben und sie an den Baum gehängt. Die Wünsche waren vielfältig und reichten vom Frieden über Liebe, Glück, Gesundheit bis hin zum ferngesteuerten Flugzeug. 

 

Download
Und hier das Rezept für
CHALLAH_REZEPT (1).pdf
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