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So war die Veranstaltung: BEDEUTUNG DES FEIERTAGS HIZIR-LOKMASI - EINBLICK IN DIE ALEVITISCHE RELIGION (19.02.2017)

In der Reihe „Feierabend am Nachmittag – Feste einer Welt“ war der Verein InterAktiv im Rahmen des Projekts (IMKL) zu Gast in der Alevitischen Gemeinde zu Berlin e. V. - Alevi Toplumu. Der Anlass der Veranstaltung war der Feiertag HIZIR LOKMASI, der in diesem Jahr am 16.02. 2017 gefeiert wurde.

  • In der alevitischen Religion wird jedes Jahr „Hizir“ (einem unsterblichen Heiligen) zu Ehren gefastet.
  • Das Hızır Fest wird in der zweiten oder dritten Februar Woche zelebriert.
  • Bozatlı Hızır gilt als ein Schutzpatron auf einem grau-weißen Schimmel, der Menschen in Not zur Hilfe kommt, die ihn von ganzem Herzen mit „Eile herbei Hızır“ herbeirufen. An den Abenden der Fastenzeit, werden Hızır Lokması (Gaben für Hızır) gebacken.
  • Die Fastenzeit endet nach drei Tagen am Feiertag „Hızır Lokmasi“ mit einer Cem-Zeremonie.

Was eine Cem-Zeremonie genau ist, wie sie zelebriert wird und vieles mehr über die alevitische Religion wurde in einem ansprechenden Vortrag von Numan Emre dargelegt. Sprachlich war dabei Improvisation notwendig, denn die inklusive InterAktiv Gruppe setzte sich zusammen aus Menschen mit chilenischen, arabischen, slowenischen, französischen und türkischen Wurzeln. Anwesend waren Kinder, Jugendliche, Mütter, Väter, Tanten, Onkels und Großeltern mit und ohne Beeinträchtigung.

 

Neben Numan Emre waren zudem zugegen Hasan Dogan Dede und Ercan Yildiz Dede. Sie ermöglichten uns teilzuhaben an einem alevitischen Gebet. Dabei war zu beobachten, dass Gebete in der alevitischen Religion nicht gegen Mekka gerichtet werden. Die Gläubigen sitzen mit dem Hand auf dem Herzen und schauen einander an.

 

Die Leser*innen mögen verzeihen, dass der sehr gute und anspruchsvolle Vortrag von Numan Emre in diesem Bericht nur stichpunktartig wiedergegeben werden kann, weil alles andere den Rahmen sprengen würde:

 

  • Rund 700 000 Aleviten leben in Deutschland.
  • Aleviten glauben an den einen und einzigen Gott. Er ist der Schöpfer, der Gerechte, der Allgegenwärtige und der Weise. Sie glauben an den Propheten Mohammed als den Gesandten Gottes sowie an den Weisen Ali als den Auserwählten Gottes. Mohammed und Ali gehören zum Licht Gottes, das das Universum seit der Schöpfung erhellt.
  • Aleviten versuchen, die Vervollkommnung zu erreichen. Das gemeinsame Gebet und die Herstellung des „Einvernehmens“ unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Gottesdienste zielen auf die Reifung aller Gläubigen. Der Weg zur Vervollkommnung ist der Weg der „Vier Tore und Vierzig Regeln“
  • Aleviten glauben, dass jeder Mensch seine heilige Kraft, die eine Gabe Gottes ist, durch den eigenen Weg in sich entdecken kann. Gott hilft und gibt den Menschen Kraft, diesen Weg einzuschlagen. Am Ende dieses Prozesses kann sich der Mensch mit Gott wiedervereinigen.
  • Aleviten glauben, dass der Gott alle Menschen gleichwertig geschaffen hat. Sie betonen dies mit dem Spruch: „Betrachte alle Religionsgemeinschaften und alle Völker als gleichwertig.“
  • Sie bekennen sich zu Humanität und Demokratie und setzen sich für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ein. In den Andachten und Cem-Versammlungen beten Frauen und Männer gemeinsam
  • Das Alevitentum wurde durch den Philosophen und Reformator Hünkar Bektas Veli geprägt, (1210 und 1271). Großen Einfluss hatten auch die Volksdichter YUNUS EMRE (1241-1319), NESIMI (1339-1418), PIR SULTAN ABDAL und viele mehr.
  • Auch im Alevitentum gibt es bestimmte Regeln, wie die Lehre von den vier Torwegen und die Trinität des "BEHERRSCHE DEINE HÄNDE, DEINE ZUNGE UND DEINE LENDEN“
  • Das gemeinschaftliche Gebet findet in dem Gottesdienst „Cem“ statt. Der Cem Zeremonie dient nicht nur der Gemeinschaft und dem Gebet, sondern erfüllt gleichzeitig verschiedene Aufgaben wie Rechtsprechung und Streitschlichtung in der alevitischen Gesellschaft. Das Ziel ist immer ein friedliches Miteinander.
  • Der Dede ist einer der wichtigsten religiösen Oberhäupter der alevitischen Gemeinde. Wörtlich übersetzt bedeutet Dede "Großvater". Zu den Aufgaben eines Dedes zählt die Leitung der Cem, der religiösen Zeremonie. Dem Dede obliegen darüber hinaus sämtliche Belange, die die Gemeinschaft über die religiösen Zeremonien hinaus betrifft. Er schlichtet Streit, spricht Recht und kümmert sich um die Gemeinde.
  • Es gibt keine Pflichtgebete. Der Donnerstag ist ein besonderer Tag, viele der älteren Aleviten fasten an diesem Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Am Donnerstagabend zünden sie Kerzen an, um das Licht zu entfachen.
  • Eine Besonderheit im Alevitentum ist das Lokma. Das ist eine kleine Spende, mit der Aleviten nach ihrem Gebet Armen und Bedürftigen helfen. Lokma heißt so viel wie "kleiner Happen". Als Lokma geben Aleviten zum Beispiel Brot, Obst, Kekse, andere Lebensmittel oder Geld. Das Lokma und jeder andere Dienst am Menschen ist für sie ein Gottesdienst.

In der alevitischen Religion spielen Musik und Dichtung eine zentrale Rolle. Zum Ende des Vortrags wurden die Musikerin Pinar und der Musiker Murat auf die Bühne gebeten. Auf berührende Weise haben sie alevitische Lieder zum Besten gegeben und damit insbesondere unsere musikliebenden Kinder und Jugendlichen erfreut.

 

Unbedingt erwähnt werden möchten wir an dieser Stelle auch mit welcher Großherzigkeit wir in der Alevitischen Gemeinde willkommen geheißen worden sind.

 

 

Abschließend soll Sevig Bozdag (1.Vorsitzende InterAktiv e.V.) zitiert werden, die sich herzlich bei Numan Emre, Hasan Dogan Dede und Ercan Yildiz Dede bedankte und sagte: Es ist nicht wichtig welche Religion man hat, es ist wichtig, dass die Religion ein Herz hat und heute habe ich gemerkt, die alevitische Religion hat ein großes Herz.

 

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