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So war die Veranstaltung: Bedeutung von Ramadan - Einblick in den Islam

In der IMKL-Veranstaltungsreihe "Feierabende – Feste einer Welt“ stand am Sonntag, den 28. Mai die Veranstaltung „Bedeutung von Ramadan – Einblick in den Islam“ auf dem Programm. Ursprünglich war geplant gewesen im Anschluss an den Moscheebesuch gemeinsam das Fastenbrechen zu begehen. In der Planung hatten wir nicht die Schulpflicht der Kinder berücksichtigt. Im Ramadan darf erst nach Sonnenuntergang (Sonntag, den 28.05 ca. 21.20 Uhr) gegessen werden. Es wäre insbesondere für unsere jüngeren Teilnehmenden zu spät geworden, deshalb haben wir die Veranstaltung kurzerhand umgeplant. 


Der (voraussichtliche) IMKL-Kooperationspartner Yunus Emre Enstitüsü - Türkisches Kulturzentrum Berlin hatte uns schon ein paar Monate vorher aufmerksam gemacht auf den sehr sehenswerten Film „Der heiße Monat – Ramadan in Bayern“ von Dirk Schäfer. Der Film war wie für unsere Veranstaltung gemacht. Vor dem Moscheebesuch haben wir ihn im wunderschönen Kinoraum vom Yunus Emre Institut zeigen dürfen. Besonders toll war, dass die an dem Film beteiligte Kamerafrau Sabine Ohle während der Filmvorführung zugegen war. Sie hat uns eine kurze charmante Einführung in den Film gegeben und stand im Anschluss auch für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung. So erfuhr die Gruppe u.a., wie die sehr schönen Landschaftsaufnahmen entstanden sind und dass ihre eigene Mitwirkung an dem Film auf ihr spirituelles Interesse und ihre Offenheit für Weltreligionen zurückzuführen ist. Weiter berichtete sie uns, dass Dirk Schäfer schon viele Jahre in der Türkei lebt und sich dort sehr heimisch fühlt. Um auch den Regisseur zu Wort kommen zu lassen, soll an dieser Stelle eine kurze Passage aus einem Interview zitiert werden, das er anlässlich des oben genannten Films gegeben hat. Das ganze Interview steht am Ende dieses Artikels zum Download bereit. 

Mitwirkende im Film "Der heiße Monat - Ramadan in Bayern" Fotos: Knut Schmitz
Mitwirkende im Film "Der heiße Monat - Ramadan in Bayern" Fotos: Knut Schmitz

Wie erklärt sich Ihre Faszination für den Ramadan? 

Dirk Schäfer: Ich finde faszinierend, dass man Alltagsgewohnheiten für die Dauer eines Monats aufgibt und stattdessen andere, vertraute Rituale wiederkehren. Und das erlebt man nicht nur individuell, sondern als Teil einer großen Gemeinschaft. Das fordert die Sinne heraus, z.B. wenn die Nacht zum Tag gemacht wird. Außerdem steigt das Bedürfnis, anderen Menschen emotional näher zu sein. (...) 

Sie wurden als Kind katholisch erzogen, leben aber seit einigen Jahren in der Türkei, die während des Ramadan im Ausnahmezustand ist, so erzählen Sie in Ihrem Film. Aber wie gehen Sie selbst mit diesem Ausnahmezustand um? Haben Sie eine Strategie entwickelt, um als Nichtmuslim den Ramadan zu meistern?

Dirk Schäfer: Ja, habe ich. Man sollte aber zunächst daran erinnern, dass es in der Türkei nach wie vor eine freie Entscheidung ist, den Ramadan zu praktizieren. Der Konsens jedoch ist klar: Fasten ist Pflicht. Je nachdem, wo man sich in der Türkei befindet, wird man den Ramadan unterschiedlich stark wahrnehmen. In Großstädten wie Istanbul oder Ankara z.B. gibt es (...) Stadtteile, in denen man tagsüber Menschen beim Essen und Trinken sieht. Das ist auf dem Land oder in den meisten Städten Ostanatoliens undenkbar. Aber auch dort kann man mittags essen gehen, z.B. in den oberen Stockwerken der Hotels, wo man von der Straße aus nicht gesehen wird. Ich selbst esse oder trinke grundsätzlich während des Ramadan tagsüber nicht in der Öffentlichkeit. Und abends warte ich wie die Muslime auf den Sonnenuntergang. (…)

 

Das Kruzifix hat eine fast schon epische Funktion in Ihrem Film? Was war Ihre Motivation, den Film über den Ramadan auf diese Weise beginnen und enden zu lassen? Dirk Schäfer: (…) In meinen Filmen spielt Empathie eine große Rolle. Nicht nur vor der Kamera. Meine künstlerischen Mitarbeiter bei diesem Film, Sabine Ohle und Knut Schmitz, sind zutiefst mitfühlende Menschen. Wenn man so will, habe ich die Christusfigur wie eine Brücke, wie ein Scharnier, zwischen mich und die Welt des Islam gerückt, in der auch Jesus als Prophet dazugehört.

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Wir bedanken uns beim Bayerischen Rundfunk, der die Filmvorführung gestattet hat, bei Dirk Schäfer (Regisseur) für den tollen Film (der in der Mediathek der ARD noch zu sehen ist), bei der sehr freundlichen und weltoffenen Kamerafrau Sabine Ohle für ihre Teilnahme an der Filmvorführung und  beim Yunus Emre Enstitüsü speziell bei Frau Severina Yuvali ( Kultur- & Kunstkoordinatorin)

Die Moscheeführung

Im Anschluss an die Filmvorführung wurden wir in der Ditib-Şehitlik Moschee von Pinar Çetin und Ender Çetin herzlichst in Empfang genommen. Sie haben die inklusive Gruppe auf kompetente und zugewandte Weise durch das schöne Gebäude  geführt. ( Architekt: Muharrem Hilmi Senalp. Er plante auch die Moscheen in Asgabat (Turkmenistan) und in Tokio (Japan)). Bei dem Baukomplex handelt es sich um ein Kulturzentrum mit einer Moschee. Wir wurden ins erste Obergeschoss der Moschee geleitet. Während unseres Besuches hat dort ein etwa halbstündiges Gebet stattgefunden. Einige der teilnehmenden Kinder und Mütter haben mitgebetet. Die teilnehmenden Nichtmuslime hatten Gelegenheit den Ritualen und Gesängen eines solchen – von einem Imam geführten - Gebets  beizuwohnen. 

Vorne steht ein Mann mit dem Rücken zu den Besuchern. Das ist der Imam. Er blickt in die Gebetsnische und spricht das Gebet vor. Die Gebetsnische verstärkt seine Stimme, so dass ihn die Gemeinde gut verstehen kann. Außerdem zeigt die Gebetsnische die Gebetsrichtung an. Alle Muslime auf der Welt beten  immer in Richtung  Kaaba (Zentralheiligtum in Mekka). Sie nehmen beim Beten alle dieselben Gebets-haltungen ein: Sie beginnen im Stehen, knien nieder und beugen sich dann so weit nach vorne, dass die Stirn den Boden berührt.

 

 

 

In der Sehitlik Moschee gibt es – wie in allen größeren Moscheen -  auch eine Gebetskanzel. Hinauf führt eine Treppe. Von dort aus spricht der Imam zur Gemeinde.  Überall üblich ist ein Regal für die Schuhe und ein Waschraum oder mindestens ein Wasserhahn. Dort wäscht sich jeder Besucher vor dem Gebet Hände, Gesicht und Füße, bevor er auf Socken oder barfuß den Gebetsraum betritt. Zwischen den Pflichtgebeten stehen die Gebetsräume der Moschee jedem offen – zum Nachdenken, zum Beten, zum Lesen im Koran oder einfach zum Ruhe finden. Muslime nutzen die Moschee fast immer auch als Treffpunkt oder für Vorträge und für den Koranunterricht.

Wir haben bei unserem Besuch noch viel mehr über die islamische Kultur erfahren. Der Platz reicht hier nicht aus, um alles wiederzugeben. Abschließend sollen hier nur noch ein paar wesentliche Informationen zum Ramadan genannt werden:

  •  Ramadan heißt der 9. Monat auf dem Islamischen Kalender.  Dieser Kalender richtet sich nach dem Mond. Daher verschieben sich alle Monate. Sie beginnen in jedem Jahr zehn bis elf Tage früher als im Vorjahr. Der Ramadan wandert auf diese Weise durch alle Jahreszeiten. Daher fasten Muslime manchmal im Sommer und manchmal im Winter. Weil die Sonne im Winter spät aufgeht und früh untergeht, ist die tägliche Fastenzeit in der dunklen Jahreszeit schneller vorüber. Der Fastenmonat der Muslime dauert 29 oder 30 Tage und endet mit dem Fest des Fastenbrechens (auch Zuckerfest genannt) (Ramadan 2017: 27. Mai bis 24. Juni 2017)
  • Während der Fastenzeit ist in vielen muslimischen Familien alles anders als sonst. Dann steht das Frühstück schon auf dem Tisch lange bevor es hell wird. Fast jeder isst eine Scheibe Brot mehr als sonst und trinkt vor allem viel, denn zwischen der Morgendämmerung und Sonnenuntergang gibt es im Ramadan nichts zu essen und zu trinken. Während der Fastenzeit wollen viele Muslime einmal besonders über ihren Glauben nachdenken und Allah näher kommen. Dieses Fasten ist für Muslime ein wichtiges Gebot. Es steht im Koran, heißt Saum und gehört zu den "Fünf Säulen des Islam"

Wir bedanken uns herzlichst bei Pinar Çetin und Ender Çetin für den wunderbaren und interessanten Nachmittag in der Ditib-Şehitlik Moschee. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Nadia (Montag, 29 Mai 2017 14:54)

    Wieder mal eine tolle Veranstaltung, danke Yasmina

  • #2

    Yasmina Ouakidi (Sonntag, 11 Juni 2017 23:32)

    Danke Euch, dass ihr dabei wart und freue mich auf weitere Veranstaltunge mit Euch.